Gute Arbeit - Gutes Essen

Nur wer bei guter Gesundheit ist, kann auch gut arbeiten. Das man sich deswegen in größeren Betrieben auch um das leibliche Wohlergehen der Beschäftigten sorgt, ist keine neue Entwicklung. Neu ist, das sich viele Unternehmen in Sachen Gesundheit Hilfe von außen holen. Gut zu beobachten ist das derzeit beim Kurbelwellenhersteller Feuer Powertrain...

Ein großes Unternehmen ist durchaus in der Lage, die Gesundheitsvorsorge der Belegschaft selber zu organisieren und die meisten Firmen verfuhren mit dem Thema in der Vergangenheit eben genau so. "Manchmal ist man im eigenen Haus aber "betriebsblind", sagte heute der Geschäftsführer von Feuer Powertrain, Oliver Wönnmann. "Wir ziehen in verschiedenen Bereichen des Unternehmens immer wieder die Expertise Außenstehender zu Rate, warum also auch nicht im Gesundheitsbereich".

Das Ergebniss ist eine dreijährige Kooperation mit dem Krankenversicherer AOK Plus, in deren Rahmen die betriebliche Gesundheitsvorsorge verbessert werden soll.

Mit diesen Bestrebungen stehe Feuer Powertrain nicht alleine da, sagte AOK Beraterin Martina Springer, die 14 Betriebe in Nordthüringen in Sachen Gesundheit betreut. "Es ist aber schon außergewöhnlich, das ein Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz derart konsequent verfolgt".

Nach Beratungen mit Geschäftsführung, Betriebsrat, Fertigung und Werksleitung konnte man Anfang des Monats die erste Phase des Projektes abschließen.

Und da Rückenschulung und Herz-Kreislauftest vielleicht nicht unbedingt die Themen sind, für die sich die Masse der Belegschaft begeistern lässt, hat man dort begonnen, wo jeder mitreden kann: beim Essen. Bisher verfügte der Nordhäuser Standort nur über eine Kantine in der ersten Fertigungshalle. Wer sich von Werk 5 auf den Weg zur Mittagspause machte, dem blieb am Ende nicht viel Zeit zum entspannten Essen. Heute liefert die Kantine direkt in die Pausenräume der einzelnen Werkshallen. Die wurden, wie auch die Kantine selbst, renoviert um die Pausen angenehmer zu gestalten.

Wichtiger ist aber aus gesundheitlicher Sicht die Auswahl des Essens. Das kommt seit Anfang Dezember aus der "Menümanufaktur" des LIFT Vereins und bietet eine größere und vor allem gesündere Auswahl als bisher. "Von den zehn Großküchen der Region beschäftigen nur zwei einen Ernährungsberater und eine davon ist unsere Menümanufaktur", erläuterte Rene Kübler, Geschäftsführer des Verbundes aus Horizont und LIFT. Vier explizit "gesunde" Menüs finden sich jeden Tag im Angebot, eines davon auch vegetarisch.

Um die gesunde Alternative etwas attraktiver zu machen, bezuschusst die Firma diese Menüs, sodass sie am Ende für die Mitarbeiter preiswerter zu haben sind, als die herkömmlichen Gerichte. Und die Idee scheint aufzugehen. Zum Teil zumindest. "Der Renner sind die Bulettenbrötchen und die Salatteller", sagte Geschäftsführer Wönnmann.

70 bis 80 Gerichte liefert die Menümanufaktur an Feuer Powertrain pro Schicht aus und ist bei Bedarf auch zwischen den Hauptlieferzeiten einsatzbereit. Diese Flexibilität sei eine Grundvorraussetzung für das Gelingen des Projektes gewesen, erklärte Wönnmann. Denn beim Kurbelwellenhersteller stehen die Maschinen auch Abends und am Wochenende nicht still. "Unsere "rollende Woche" ist ein für die Mitarbeiter anspruchsvolles Schichtmodell, da soll auch die Versorgung stimmen".

Für Wönnmann gehören solche Angebote, neben guter Bezahlung und Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, zu den Rahmenbedingungen, die eine Firma für junge Fachkräfte attraktiv macht. 53 Auszubildende beschäftigt das Unternehmen zur Zeit. Die kommen längst nicht mehr nur aus Nordhausen, sondern auch aus anderen Regionen.

Damit die jungen Leute auch während ihrer Ausbildung in Nordhausen Fuß fassen können, haben sich Wönnmann und andere Unternehmer der Region zuletzt für den Erhalt des Berufsschulinternats des Horizonts starkt gemacht, das im Zuge der Haushaltsdiskussionen des Landkreises in den Fokus der Sparbemühungen gerückt war. "Wir werden in Zukunft alle härter um den Nachwuchs ringen müssen. Da kann ein Wirtschaftsstandort wie der Landkreis Nordhausen eine solche Einrichtung nicht in der Versenkung verschwinden lassen", erklärte Wönnmann.

Quelle:nnz-online.de Angelo Glashagel